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Der Abschied von Windel & Schnuller


Wir sagen Tschüss zu Windel, Schnuller & Co.

- unser Weg vom Baby zum kleinen Erwachsenen



 Wie versprochen heute endlich mein Beitrag zum Thema "Abgewöhnung" bzw. wie ich finde klingt es schöner "Wir sagen tschüss zu Windel, Schnuller & Co." Weil Abgewöhnung ist glaube ich das falsche Wort zumindest so wie wir es gehandhabt haben.

 

Vorab: Auch hier wieder, jeder wird seinen Weg gehen & der ist wie immer der richtige für einen selbst. Nicht bei jedem mag das so funktionieren, aber für uns hat das so geklappt.

 

Für mich gab es 3 Punkte, die es zu verabschieden gab: Zum einen die abendliche bzw. nächtliche Flasche, die Windel und die für mich größter Herausforderung, den Schnuller.

 

Mathilda hat von Anfang an die Flasche bekommen (warum, dass ist ein anderes Thema) - diese tatsächlich auch noch bis sie 2 Jahre alt war. So war es für mich normal jede Nacht gegen 3 Uhr aufzustehen, weil sie lauthals danach schrie. Innerhalb von wenigen Minuten schlief sie wieder friedlich ein - was blieb war eine wache Mama und ein noch müdere am nächsten Morgen. Für mich war das Schlafverhalten der ersten zwei Jahre schwierig. Mathilda war oft schwer in den Schlaf zu bekommen und von durchschlafen war lange Zeit nicht mal zu träumen. Bei der U-Untersuchung um den zweiten Geburtstag fragte unserer Kinderarzt nach den Gewohnheiten und schnell wurde das Thema "nächtliches Trinken" angesprochen und die Worte von Ihm waren. Kein zweijähriges Kind dieser Welt braucht nachts um 3 Uhr eine Flasche Milch - wenn tagsüber anständig gegessen wird. Und um das Thema Essen musste ich mir zum Glück noch nie Gedanken machen. Hier wird alles gegessen und auch ausreichend. Er schlussfolgerte, dass Mathilda aus reiner Gewohnheit nachts wach wird um nach der Flasche zu verlangen, weil sie genau wusste, diese auch zu bekommen. Sein Tipp an mich: Eine Flasche Wasser ins Bett stellen. Hätte sie Durst, würde sie sich daran freiwillig bedienen, den Drang Durst zu löschen hat man glücklicherweise schnell verinnerlicht. So war es auch, 2-3 Tage gab es Nachts noch Theater und Wutanfälle, weil die Sehnsucht nach Milch wohl ins unendliche reichte. Danach war das Thema durch: Keine nächtliche Flasche mehr, dafür durchschlafene Nächte. Erster "Meilenstein" war somit erreicht und abgeschlossen.

 

Ein viel größeres Thema schien das "Windelfei werden" zu sein. Wie oft liest man, dass Kinder bereits mit einem Jahr auf den Topf gesetzt werden um sie daran zu gewöhnen. Schön und gut, hier gilt, jede wie er mag - meine Vorstellung von "Kind sein" ist eine andere. Ich hatte immer als "Wunsch" - es wäre schön, wenn sich das Thema mit dem Kindergarten erledigt hätte. In vielen Einrichtungen sei es wohl auch normal, dass Kinder erst dann in den Kindergarten aufgenommen werden, wenn diese keine Windeln mehr tragen. Unsere Einrichtung unterstützt jedes Kind individuell - ab dem 3. Lebensjahr kann der Kindergarten besucht werden, egal ob mit oder ohne Windel. Und mal ehrlich, kein Erzieher dieser Welt hat etwas von einem Kind ohne Windel, welches aber mehrmals am Tag umgezogen werden muss, weil es selbst noch nicht verinnerlicht hat, was zu tun ist, wenn es keine Windel mehr trägt. Zurück zu uns. Ich habe bei diesem Thema absolut keinen Stress gemacht. Wir hatten mit knapp 2 Jahren ein Töpfen zuhause stehen ihr es aber nicht aktiv angeboten. Das Interesse kam von alleine. Mal mehr mal weniger. Aber für mich war das okay. Zugegeben vielleicht auch ein wenig aus Bequemlichkeit, weil ich mir beim Einkaufen und auf Ausflügen keine Gedanken  machen musste, wo es die nächste Toilette gibt. Und wie es so sein sollte, entschied Mathilda von alleine, wann sie genug davon hat. Und so kam sie von heute auf morgen an und sagte sie braucht keine Windel mehr - alles klar, gesagt getan. Windel weggelassen. Noch am selben Tag bin ich mit Mathilda los und haben schöne Unterwäsche geshoppt - ich erinnere mich noch genau, wie stolz sie zur Kasse ging und ihre ausgesuchten Unterhosen hinlegte. Ab dem ersten Tag hatten wir damit keine Probleme mehr, 1-2 mal ging etwas "daneben", aber sie hat schnell gelernt auf ihr Gefühl zu hören. Irgendwann antwortete sie mir auf meine ständige Fragerei ob sie nicht mal auf's Klo müsste mit einem genervten "NEIIIIIIIIIIIIIINNNNNNN!!!" - seitdem lasse ich sie einfach, ist ja schließlich ein großes Mädchen. Stolz dachte ich mir "Hach, war ja doch ziemlich easy, dieses große Thema "Windelfrei werden" ". Übrigens: Nachts trägt Mathilda ab und zu noch eine Windel, aber das entscheidet sie selbst vor dem schlafen gehen. Auch wenn sie in den meisten Fällen am nächsten morgen wieder Trocken ausgezogen wird. Wenn es ihr ein sicheres Gefühl gibt, ist das für mich völlig in Ordnung. Ich kann dafür die Windel Slips von DM empfehlen - lassen sich super tragen und sind leicht anzuziehen wie ein normales Höschen eben.

 

Und nun kommen wir auch schon zum letzten und wirklich schwierigstem Meilenstein der Entwöhnung - mein Endgegner der SCHNULLER. 

Früher als ich selbst noch kein Kind hatte und Kinder in Mathildas Alter sah, die einen Schnuller tragen, dachte ich mir, wie blöd das doch aussieht. Auch im Feed auf Instagram sehe ich so viele Kinder in ihrem Alter, die ihren Schnuller liebten und wo ich mir denke "muss das sein"? Heute weiß ich - alles zu seiner Zeit und solange sie noch keine 18. sind, ist alles vertretbar, irgendwie. Allgemein "belächle" ich jetzt keine Eltern mehr, deren Kinder Sachen machen, die man in dem Alter vielleicht laut Gesellschaft nicht mehr machen sollte. Ich habe selbst ein Kind - ein Kind mit eigenem Tempo und eigenen Kopf. Und das ist gut so.

Ehrlich - ich habe es schon häufiger versucht den Schnuller aus unserem Leben zu verbannen. Mathilda Mut zuzusprechen und ihr zu sagen, dass sie dafür zu groß ist. Im Kindergarten war der Schnuller schon ganz lange kein Thema mehr - dort wurde er in der früh in die Tasche gepackt und die ganzen 8 Stunden auch nicht verlangt. Sobald ich sie abholen kam, ging Mathildas erster Griff in ihren Rucksack, um den Schnuller zu holen. Ich hole mir gelegentlich Ratschläge von Mathildas Erzieherin, einfach weil ich wissen möchte, wie andere Menschen damit umgehen und ich den Rat als sehr kompetent erachte, sonst würde ich mein Kind ja auch nicht in diese Einrichtung bringen. Und ihre Worte waren immer "Mach dir da keinen Stress - kein Kind funktioniert unter Druck. Wenn das ihre Art ist, nach dem Kindergarten abzuschalten, dann lass sie. Irgendwann wird sie das auch nicht mehr brauchen. Dann wenn sie bereit dafür ist". Ich mochte diese Worte, weil sie mir soviel Mut machten und mir insgeheim sagten, dass ich so wie ich es mache, nicht falsch mache. Natürlich hatte ich Angst, dass Mathilda noch ewig ein Schnullerkind bleibt und ich hatte auch Angst, dass ihre Zähne davon in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch unsere Ärztin hatte mich gefragt wie es mit dem Schnuller aussieht, weil man erste Anzeichen davon sieht, was für eine "Kraft" ein Schnuller hat. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich zumindest schon mit Stolz verkünden, dass er nur noch Abends zum einschlafen benötigt wird und selbst in der Nacht meist neben ihrem Mund im Bett liegt. Sie war mit der Aussage zufrieden und sagte auch "Alles nacheinander, man muss einem Kind nicht alles auf einmal abgewöhnen" und zu dem Zeitpunkt waren wir ja gerade erst dabei der Windel tschüss zu sagen. Die letzten Wochen hatten wir ihr ganz altmodisch von der "Schnullerfee" zu erzählen und das sie sich was wünschen dürfte, wenn sie all ihre Schnuller abgeben würde - wir hatten nur zwei Schnuller und ich hatte ihr eh immer erzählt, sollte sie diese verlieren, gibt es keine neuen mehr. Ich weiß jetzt, welchen Beschützerinstinkt Kinder entwickeln können, wenn es um ihre Schnuller geht - keiner dieser zwei war jemals verschwunden ;-) Nun ja, ich habe sie wöchentlich gefragt, was sie sich denn wünschen würde und es kam immer die gleiche Antwort "Das Feuerwehrmann Sam Haus"....ja sehr typisch für ein Mädchen, die eben nur Jungs als Freunde hat. Wir versprachen ihr, den Wunsch weiterzugeben und sie soll uns sagen wann sie ihre Schnuller abgeben mag. Von heute auf morgen stand sie vor meinem Bett, beide Schnuller in der Hand und sagte "Hier, ich bin bereit für die Schnullerfee. Ich bin ja schon groß". Ich natürlich sofort hellwach und fragte sie, ob ihr klar sei, dass es die Schnuller heute Abend dann nicht mehr geben würde. Offensichtlich war ihr das klar und so legten wir beide Schnuller unter ihr Kopfkissen. Am Nachmittag kam sie aus dem Kindergarten zurück, rannte in ihr Zimmer und schrie total aufgeregt "MAMAAAAA, die Schnullerfee war schon da". Zumindest hat diese "Fee" zu dem Zeitpunkt die Schnuller schon abgeholt. Vor der bevorstehenden Nacht hatte ich Bammel, wie wird sie werden? Kann ich standhaft bleiben (ich wusste, ich muss!). Mittlerweile war ich sehr verwöhnt von Mathildas "Einschlafgeschwindigkeit" - bettfertig machen, ins Bett legen, einschlafen dauert bei uns im Normalfall keine 10 Minuten. Der erste schulterfreie Abend verlief natürlich nicht ohne Tränen und dem wiederholten schluchzen "ich kann ohne Schnuller nicht einschlafen". Ich legte mich zu Mathilda ins Bett, streichelte sie und redete ihr Mut zu "wie groß sie doch schon ist & das sie das so toll macht und wir gar keine Chance mehr hätten an die Schnuller zu kommen". Nach 20 Minuten war auch dieser Kampf gewonnen und Mathilda wachte am nächsten Morgen total Stolz mit den Worten "Ich habe ganz ohne Schnuller geschlafen" auf. Auch die darauffolgenden Nächte waren weit weniger schlimm, als befürchtet. Sie erzählte jeden Abend, dass sie den Schnuller noch braucht und ohne ihn nicht einschlafen könnte. Nach zwei küssen und ein paar mal über die Wange streicheln, träumte sie schon von ihrem Feuerwehrmann Sam Haus, welches sie übrigens nach einer Woche ohne Schnuller bekommen hat. Wie ihr seht, auch hier war jede Sorge unbegründet und Mathilda hat selbst ihr Tempo und vor allem den Zeitpunkt gewählt. Es wird seitdem keinen einzigen Tag mehr nach dem Schnuller gefragt.

 

 

Zusammenfassend lässt sich für uns sagen: Die Entscheidung Dinge zu tun bzw. nicht mehr zutun überlassen wir weiterhin Mathilda selbst. Auch wenn wir jetzt erstmal nichts mehr "großes" haben, was es zu abgewöhnen gibt - es werden sicher noch einige Entscheidungen zu treffen sein, welche ich mit gutem Gewissen meiner "großen, kleinen Tochter" überlassen werde. Und nur weil auf Instagram auf einmal alle 2-3 Jährigen ohne Probleme das Fahrradfahren gelernt haben, so heißt es noch lange nicht, dass unser eigenes Kind es genauso schnell lernt. Wie gesagt: Jedes Kind hat sein eigenes Tempo und geht seinen eigenen Weg. Und diesen gilt es als Mama & Papa mitzugehen - egal ob dieser ab und zu Umwege und Rückschläge für uns bereit hält.

 

Fühlt euch gedrückt.

 

Eure Charlotte 


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Kommentare: 5
  • #1

    Steffi Zimmermann (Sonntag, 22 Juli 2018 18:54)

    Toller Bericht �� kommt mir vieles sehr bekannt vor!

  • #2

    Stefanie (Sonntag, 22 Juli 2018 20:54)

    Sehr schöner Text!
    Ich musste grad lächeln, es lief bei uns fast genau so! Nur gab es kein Feuerwehrmann Sam Haus, sondern sie hat den Schnuller im Zoo gegen einen Stoff-Flamingo getauscht (natürlich auch bereut später).

  • #3

    Mimi (Montag, 23 Juli 2018 03:24)

    Wundervoll geschrieben! Danke :)

  • #4

    Cindy (Dienstag, 24 Juli 2018 17:42)

    Toll geschrieben und danke für deine Erfahrung. Bei uns ist es genau das selbe. Flasche mit gut 2 Jahren, Windel tagsüber nicht mehr, aber nachts und das leidige Thema Schnuller, wovor es mich graut. Sie liebt dieses Ding und braucht es oft nach der Kita und eben nachts. In der Kita hat sie den schon lange nicht mehr. Wir waren jetzt auch beim Zahnarzt und dieser meinte es würde wirklich Zeit diesen abzugeben. Er möchte ihre Schnuller zum nächsten Termin für sein kleines Baby. Mir graut es jetzt schon vor dem Termin �

  • #5

    Fen (Dienstag, 07 August 2018 02:33)

    So schön zu lesen... ;-)
    Wir sind grad in der Windelphase - mit 2½ schleichend angefangen haben wir nun in den 2 Wochen KiTa Ferien den letzten Schritt gemacht. Das war schwierig, denn es hat ihn ü-ber-haupt nicht gestört, wie groß das Geschäft in der Windel auch war (stur weitergespielt und Schreikrämpfe, wenn ich ihn zum Windeln wechseln mitnehmen wollte). Egal wie rot / wund der Po wurde: schlagen und treten war an der Tagesordnung, sobald ich von einer neuen Windel sprach... Trotzphase halt.
    Dann zogen zum Glück die waschbaren Trainerhosen ein und siehe da: es klappt perfekt! Ich denke einfach, dass die Windeln heute "zu gut" sind, die Lütten merken ja kaum etwas! ;-)
    Flasche war zum Glück zum ersten Geburtstag abgewöhnt (auch nachts), beim Schnuller habe ich auf Obstessig zurückgegriffen... Ich Rabenmutter! Aber das war nur für das "letzte bisschen": Junior war 2½ und wollte ein "großer Feuerwehrmann ohne Schnuller" sein. Aber dann musste er doch mal zum trösten herhalten. Danach hatte ich dann ein weinendes Kind, weil er doch eigentlich "groß" sein wollte. Ohne Nunu. Flugs die Geschichte vom Schnuller erfunden, die nicht mehr schmecken, sobald man "groß" ist. Eine Woche den Schnuller vorsichtig probieren lassen (schmeckt noch, Mama!) - dann wurden alle in Obstessig getunkt und getrocknet. Was war das Kind stolz, als quasi der Schnuller ihm bestätigt hat: jetzt bist du groß! Und dann haben wir alle 17 (!) in eine Box verpackt und an die Schnullerfee geschickt, die sie an alle kleine Babys ohne Schnuller weitergibt. Wie gut, dass mein Kind manchmal so empathisch ist :-D