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Die Angst vor dem eigenen Kind


Die Angst vor dem eigenen Kind

- ehrliche Worte, weit weg von der perfekt inszenierten Social Media-Welt



 

 

Heute war sie wieder da, diese "Angst" - ein letztes Mal hatte ich dieses bedrückende Gefühl vor ca. 1,5 Jahren..... Aber fangen wir von vorne an.

 

Donnerstag, der 22.03.2018 ein Tag wie jeder andere auch: Aufstehen, Frühstücken, fertig machen für den Kindergarten und für die Arbeit. Normal läuft das bei uns recht normal ab, stressfrei wäre gelogen, aber wir sind schon ziemlich gut eingespielt würde ich behaupten.

Doch heute war alles anders. Mathilda kam schon um 05:20 Uhr mit ungeduldiger Laune an mein Bett und forderte mich auf jetzt endlich aufzustehen. In den meisten Fällen klingelt unser Wecker gegen 06:00 Uhr und ich mache mich in Ruhe fertig und wecke dann erst Mathilda auf.

 

Als ich nicht sofort aus dem Bett gesprungen bin, so wie Mathilda es wünschte fingen sie an - diese zwei kraftraubendsten Stunden seit langem.

Sie ließ nicht locker - zog an meinem Fuß und sagte mit bestimmten Ton "MAMA, komm jetzt mit". Schnell habe ich nachgegeben, weil ich dem Stress, vor allem in der Früh aus dem Weg gehen möchte.

In der Küche angekommen fragte ich gelassen und noch leicht verschlafen, was sie denn essen möchte.

Die Antwort kam schnell und genauso schnell hatte ich alles wunschgemäß serviert - Toast, in vier gleich große Stücke geschnitten und dazu ein Glas Multivitaminsaft - nichts anders zu sonst, also kein Grund für einen Aufstand. Dachte ich zumindest....

Nach kurzer Stille kam nur ein kühles "neeeeee, ich will keinen Toast" - meine Reaktion deutlich "Gerade habe ich dich gefragt, was du frühstücken willst, du hast dir Toast gewünscht und diesen auch bekommen. Etwas anderes gibt es jetzt nicht, entweder du isst das oder wartest bis im Kindergarten gefrühstückt wird". Eigentlich eine Antwort mit vielen Optionen. Mathildas Reaktion ähnelte eher einem Pubertierenden Jugendlichen als einem 3 Jährigem Kind - mit einer Bewegung flog der Teller über den Tisch und das volle Glas Saft direkt hinterher. 

Einmal tief durchgeatmet nahm ich Mathilda hoch und setzte sie mit den Worten "Jetzt reagierst du dich erstmal ab" in ihr Zimmer. Unter dem Gehen versuchte ich ihr zu erklären, das ich ihr Verhalten nicht gut finde und es mich ärgert. Mehr als weinen, schreien und um sich schlagen kam von ihrer Seite nicht.

Die Lautstärke, die so ein kleines Wesen erzeugen kann versuchte ich mit meiner Lieblingsplaylist zu übertönen - vergebens - wenige Sekunden später hatte die Sirene direkt neben mir sitzen. 

Ich könnte ewig so weiter erzählen, denn egal was ich an dem Morgen versuchte, es war vergebens.

Die Streifen der Hose wohl zu dick, das blau des Pullovers zu dunkel und das Muster der Strumpfhose falsch angeordnet. Beim Versuch das Kind wettertauglich zu kleiden, sprich Winterschuhe, Jacke und Mütze anzuziehen scheiterte ich wie damals im Matheabi.

Ende vom Lied war ein in Strumpfhose gekleidetes Kind, ohne Schuhe, ohne Mütze und ohne Jacke bei 0 Grad im Auto auf dem Weg in den Kindergarten. Der Geräuschpegel gleichzustellen mit einem Rock Konzert hielt die komplette Fahrt an - um genau zu sein schon seit dem Aufstehen also knapp zwei Stunden mussten wir beide, also Mathilda und ich diese Lautstärke ertragen. 

Weinend brachte ich Mathilda in den Kindergarten & weinend verließ ich den Kindergarten. Und das nicht, weil ich es nicht über das Herz brachte sie in dem Zustand zurück zu lassen, sondern weil ich kraftlos in mein Auto stieg und mich fragte was ich falsch gemacht habe.

 

Ein Morgen wie dieser macht mir Angst, Angst, dass es wieder so wird wie damals. 

Ich war am Ende, am Ende meiner Kräfte und fragte mich täglich wie lange es noch gut gehen wird.

Nun ist es schon knapp 1,5 Jahre her, als ich täglich weinend zu Hause saß und hoffte, dass es bald vorbei ist. Ich hatte Morgens Angst vor dem zu Bett gehen und Abends Angst vor dem Aufstehen.

Je unglücklicher ich wurde, desto unentspannter war Mathilda.

Es war ein Teufelskreis - ein Teufelskreis aus Angst & Hilflosigkeit.

Ohne meine Eltern & meine Freunde hätte ich es damals nicht geschafft diesem zu entkommen. 

Ich war unendlich traurig, weil ich gefühlt nicht mehr aktiv am Leben teilnahm.

Von Montag - Freitag der "Stress" mit Mathilda und Samstag - Sonntag musste ich den Schlaf durch die schlechten Nächte (diese sind übrigens erst seit knapp einem Dreiviertel Jahr entspannt) nachholen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Schlaf lässt sich nicht nachholen - einmal weg, immer weg.

Hatte mich zu dem Zeitpunkt jemand gefragt, ob ich jemals weitere Kinder haben möchte, kam meine Antwort wie aus der Pistole geschossen "Sicherlich nicht! Noch einmal tue ich mir das nicht an. Ich bin für das Mama - Sein wahrscheinlich einfach nicht gemacht".

 

Heute kann ich sagen, dass ich mit solchen Tagen wie heute um einiges gelassener umgehe, also noch vor ein paar Monaten. Klar machen sie mich traurig, rauben mir Kraft & Energie und lassen mich zweifeln. Aber letztendlich geht es uns allen so, jede Mutter macht diese schwierige Zeit durch, die eine mehr, die andere weniger. Aber keine Familie ist perfekt, auch wenn es zu Zeiten von Instagram und Facebook den Anschein hat.

Und auch wenn der Satz "Es ist alles nur eine Phase" - zu Zeiten von nicht schlafenden Kindern & Wutanfällen alles andere als Trost spendet oder auch nur ansatzweise etwas bringt, steckt in dieser Phrase ganz viel Wahrheit - irgendwann wird es besser, irgendwann kommen andere "Probleme" und irgendwann können wir über all das hier Lachen.

Und bis dahin bleibt uns nichts anderes übrig als es so hinzunehmen und das Beste daraus zu machen.

 

Tipps habe ich für euch leider keine. Der eine reagiert sich ab, in dem er sich beim Sport auspowert, der andere gönnt sich ein Glas Wein am Abend. Mir hilft es, darüber zu reden bzw. wie jetzt gerade darüber zu schreiben. 

Egal wie ihr damit umgeht, ihr werdet es richtig machen, richtig für euch!

 

Fühlt euch gedrückt.

 

Eure Charlotte 

 

PS: Übrigens! Ratet mal, wer gerade mit einer Tiefkühlpizza, einem Glas Wein im Bett liegt und netflixt, während das Kind friedlich schläft? :)

 

 

 

 


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Kommentare: 10
  • #1

    Mina (Donnerstag, 22 März 2018 22:54)

    Danke für deinen Beitrag! Er ist einfach großartig ❤️

  • #2

    Jasi (Donnerstag, 22 März 2018 23:24)

    Das hast du so schön geschrieben liebes ❤️ Drücke die Daumen, dass morgen wieder alles gut ist �

  • #3

    Lisa (Freitag, 23 März 2018 08:48)

    Ein toller Blogpost! Jeder Mama geht es zwischendurch genau so. Man verzweifelt und fühlt sich am Ende seiner Kräfte und fragt sich einfach, warum sein Kind so reagiert und was man als Mama falsch gemacht hat.
    Die Wenigsten Mamas sprechen das aber so ehrlich aus, dabei geht’s uns doch allen so- mal mehr ,mal weniger. DANKE

  • #4

    Lisa (Freitag, 23 März 2018 08:49)

    Vielen Dank für den Beitrag!
    Als hättest du unseren Tag gestern beschrieben ...�
    Fühl dich gedrückt. Du bist ganz bestimmt nicht alleine❤️

  • #5

    Tina (Freitag, 23 März 2018 09:55)

    Liebe Charlotte, vielen Dank für die ehrlichen Worte.
    Meine carlotta ist nun auch 2 3/4 Jahre alt und bringt mich fast tgl mit dieser Trotzphase an mein Limit. Und dann war sie zudem noch ein Schreibaby..... man ist dadurch leider nicht wirklich stärker geworden, sondern eher ängstlicher :/
    Doch so ehrliche Worte tun sehr gut

  • #6

    Simone (Freitag, 23 März 2018 15:40)

    Hey Charly echt schön geschrieben und soooo schön ehrlich! Fühl dich gedrückt von mir und maxi

  • #7

    Fen (Dienstag, 07 August 2018 02:49)

    Danke für den Beitrag.
    Diese Ausraster hat Zwergi leider seit anderthalb Jahren täglich. Treten, beißen, schlagen, kneifen. Schreiend auf dem Boden liegen, Spielzeug durch die Gegend werfen. Leider habe ich keine Verwandten / Freunde, die mir mal ein paar Minuten Luft verschaffen. Nur den Papa von Freitag bis Sonntag (arbeitet und schläft in der Woche in einer Projektwohnung). Aber dann will er auch seine Ruhe von der stressigen Woche haben.
    Zweites Kind? Nie und nimmer!
    Wer Großeltern / Eltern, Geschwister und Freunde hat, die mal ein bisschen aufpassen: genießt es! Bis mein Sohn mit 2 Jahren in die Kita kam, hatte ich ihn insgesamt 4 Stunden "fremdbetreut" (Wurzelbehandlung bei mir). Seit über drei Jahren war ich weder im Kino noch in einer Bar / auf einem Mädels Abend... Nix! Und wenn ihr das hier lest: nehmt euren "Aufpasser" ( = Großeltern, Freunde) das nächste mal fest in den Arm und sagt Danke! Es ist nicht selbstverständlich...

  • #8

    Laura Lotta (Montag, 05 November 2018 20:01)

    Toller Blogpost.

  • #9

    Jen (Dienstag, 28 Mai 2019 20:37)

    Danke dafür, denn mir geht es leider zurzeit genau so, wie du beschrieben hast. Und ich suche noch nach einem Ausweg. Deine Erfahrungen helfen, dann ist man nicht allein, das beruhigt.

  • #10

    Emilia (Dienstag, 05 Mai 2020 18:19)

    Danke für den Beitrag. Ich habe Tage, an denen ich sie mit Schoki und ipad beruhige, weil ich „Angst“ vor ihren Wutanfällen habe�